Landwirtschaft im Nationalpark - Chance oder Risiko?

Die landwirtschaftliche Nutzfläche im Nationalpark umfaßt rund 3.800 ha, das sind 32% der Landfläche des Nationalparks. Diese Fläche wird von etwa 30 landwirtschaftlichen Betrieben bewirtschaftet. Während die Mehrzahl dieser Betriebe eher klein ist (< 100 ha), gibt es einen Betrieb, der selbst für Mecklenburg-Vorpommern sehr groß ist.

Die Gut Darß GmbH & Co. KG mit Sitz in Born bewirtschaftet insgesamt 4.000 ha (davon 3.900 ha Grünland; 100 ha Ackerland). Gut die Hälfte des Grünlandes liegt im Nationalpark und das bedeutet für einen Betrieb, der in erster Linie wirtschaftliche Interessen zu vertreten hat, die Entwicklung neuer Strategien.

Dieser Prozess begann 1991 mit der Verpflichtung zum ökologischem Landbau. Für einen Landwirt bedeutet das auch, die Fähigkeit zum Unterlassen zu entwickeln. Es wurde eine extensive Mutterkuhhaltung aufgebaut. Der Rinderbestand setzt sich aus den Fleischrassen Fleckvieh, Limousin und Deutsch Angus zusammen, die sich vor allem durch eine herausragende Fleischqualität auszeichnen.

Die idealen Voraussetzungen auf der Halbinsel ermöglichen eine ausgiebige Weidehaltung der Rinder. Jedes Jahr zur Weidezeit begeistert der Anblick der Mutterkühe mit ihrem springlebendigen Nachwuchs die Besucher und Gäste der Region. Und während in anderen Nationalparks das Verhältnis von Naturschutz und Landwirtschaft nicht gerade von Harmonie geprägt ist, so kann der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft für sich verbuchen, dass man z.B. bei der Bewirtschaftung der Flächen einen für beide Seiten gangbaren Weg gefunden hat.

Die Vermarktung regionalspezifischer Produkte hat noch einige Reserven. Aus diesem Grund möchte das Nationalparkamt mit dem 1. Borner Markt mit dazu beitragen, »Ursprüngliches« aus der Region noch besser zu vermarkten. Denn dass das Interesse über die Landesgrenze hinweg groß ist, beweist die steigende Nachfrage nach Ökofleisch ebenso, wie der Umsatzzuwachs beim Wildhandel in Born. So listen inzwischen große Ketten wie EDEKA und Tengelmann Rindfleisch vom Darß.

Das Beispiel Gut Darß zeigt, dass der Konflikt zwischen bäuerlichen Interessen und Naturschutz lösbar ist. Naturschonende Produktion von Nahrungsmitteln ist der Weg, der auf Dauer Landschaft und Landwirtschaft sichert.